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6.11.2007 von Export.
Und hier gibt es nun die restlichen Stories als Audio! Dir Jörg ein dickes Dankeschön fürs Posten!!
Tee ist schlecht für die Seele
Viel Spaß!!
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4.11.2007 von Export.
So Leute, es ist soweit. Isa Schwärzenbach hat eine Stimme bekommen! Für alle die, die lieber hören statt lesen
Dirki wird die Audio-Dateien in den nächsten Tagen in die Stimmen-Welt setzen. Für alle die, die jetzt schon neugierig sind, habe ich mal die Links zu e-stories rausgesucht, wo die Stories auch zu hören sind. Viel Spaß dabei!!
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22.10.2007 von Export.
Tee ist schlecht für die Seele - Isa-Schwärzenbach-Kolumne
Ich habe festgestellt, dass Teetrinken nicht gut für die Seele ist. Klingt blöd oder? Is aber so! Zumindest wenn es sich um MEINE Seele handelt.
Also, es verhält sich so, dass mein ehemals neuer Freund, jetzt Ex-Freund, Paul, vor 3 Tagen mit mir Schluss gemacht hat. Nach genau 7 Wochen und 6 Tagen! Genau EINEN Tag vor unserem 2-monatigen Jubiläum! Das war mein persönlicher Rekord der letzten 5 Jahre! Ich hatte mich sooooo auf den Tag gefreut. Schon seit 3 Wochen hatte ich Paul vor alle Schmuckschaufenster der Stadt gezerrt und immer ganz nebenbei erwähnt, welche Schmuckstücke ich besonders toll finden würde. Ich glaube nicht, dass ich ihn damit genervt habe. Ich war ganz vorsichtig. Ich weiß schließlich, wie man Männer behandeln muss. Man muss sie in Watte packen. Nicht so die Hammer-Methode, sondern immer schön sanft ins Ohr säuseln „Schau mal Schatz, die Kette sieht aber toll aus oder? Du sag mal, sollen wir heute Abend mal etwas früher ins Bett gehen?“ So klappt das schon! Definitiv! IMMER! Ich kenn mich aus!
Und nun erdreistet sich dieser Kerl doch tatsächlich, einen Tag vor dem Wahnsinns-Event einfach mit mir Schluss zu machen! Ich leide wie ein Nagellack unter höchster Fingerbeanspruchung und komme aus dem Weinen eigentlich kaum noch raus. Ich hatte echt gedacht, es könnte was Ernstes werden mit ihm und mir, aber leider reichten seine Gefühle doch nicht aus, um es mit mir, Isabell Schwärzenbach, aufzunehmen. Ok, ich gebe zu, dass ich nicht gerade ne “easy-going”-Frau bin und sehr zickig sein kann. Aber deshalb sofort Schluss machen? Ich finde, er hätte sich definitiv mehr Mühe geben können, in die Abgründe meiner Seele zu tauchen. Oder zumindest hätte er mir den Platin-Ring mit dem zauberhaften Rubinstein aus dem Juweliergeschäft am Markt kaufen können! Dann hätte ich jetzt wenigstens eine Erinnerung an ihn!
Na ja, das hab ich nun also davon. Eine Woche ist es nun her, dass er durch meine Wohnungstür gegangen ist und nicht mehr wiederkam. Hätte er auch gar nicht, denn ich hab die Tür direkt nach ihm so sehr zugeschlagen, dass sich das Schloss irgendwie verkeilt hatte und ich selber nicht mal mehr rauskam. Ich musste den Schlüsseldienst anrufen und die netten Männer retteten dann mich, meine Katze Cleo und mein Leben. Mein Herz aber konnten sie nicht retten. Das war zweifelsohne gebrochen.
Ich vermisse Paul so sehr, dass ich seit jenem Abend nur noch mit dem niedlichen kleinen Stoffhund, den er mir am ersten Abend geschenkt hatte, ins Bett gehe. Ich habe eine Schlaftechnik entwickelt, in der ich es tatsächlich schaffe, den Hund in die linke Hand zu nehmen, einzuschlafen, mich zu drehen und zu wenden und morgens wenn ich aufwache, hab ich den Hund immer noch in der Hand. Fragen Sie mich nicht, wie ich es schaffe, aber ich bin stolz drauf! Ich wünschte, Paul würde es sehen!!
Der kleine Hund roch immer nach ihm. Sobald er seinen Duft verlor, musste Paul ihn an seinem Hals reiben und so das After Shave damit abwischen. Mhhhh… ich liebte sein Parfüm! Er schenkte mir irgendwann ein Miniatur-Fläschchen davon, aber ich traue mich momentan nicht, daran zu riechen. Ich glaube, ich würde so was von irre werden, dass ich das Fläschchen austrinken würde!! Aber davon würde ich wohl eher sterben und das will ich nicht, denn ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Paul doch noch mal eines Tages vor meiner Tür steht. Mit dem Rubinring versteht sich.
Ich habe heute bereits 2 Familienpackungen Papiertaschentücher verbraucht und sieben Telefonakkus leertelefoniert um meine Freundinnen auf dem Laufenden zu halten. Zum Glück hat mein Telefon die „Anklopf-Funktion“. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Paul genau in dem Moment anrufen würde, wenn ich mit meinen Mädels quatsche.
Der Fernseher läuft 24 Stunden am Tag, aber ich schaue gar nicht hin. Ich habe ihn nur an, weil ich mir einbilde, dass mir dadurch wärmer wird. Denn seitdem Paul sich nicht mehr bei mir meldet, ist mir ständig kalt. Die Heizung steht auf volle Pulle, aber ich habe eiskalte Hände und Füße. Eng an den Fernseher gekuschelt, um die Wärme der Bildröhre wenigstens an meinem Rücken zu spüren, sitze ich mit einer Tasse heißem Tee auf dem Boden und starre Löcher in die Decke, bis es wahrscheinlich eines Tages durchregnen wird.
Erwähnte ich bereits, dass ich leide?
Ich versuche, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Ich weiß zwar noch nicht bis wann, aber versuchen kann ich es ja trotzdem. Ich starre das Telefon an. “Klingel! Los! Ruf mich an Paul und sag mir, dass Du mich vermisst und Dir ein Leben ohne mich nicht mehr vorstellen kannst! Frag mich nach meiner Ringgröße und setz Dich ins Auto und komm hier her! Heirate mich, mach mir zwei süße kleine Kinder und schließe mit mir zusammen einen Bausparvertrag ab!!”
Aber das Telefon klingelt nicht. Da ich keine Lust habe, länger alleine zuhause rumzusitzen, rufe ich meine drei besten Freundinnen an und bitte sie, auf einen Kondolenzbesuch vorbeizukommen. Die drei zögern nicht lange. Sie kennen das schon! Wenn Isa Liebeskummer erleidet, ist ihr Wohnzimmertisch voll mit Schokolade, Weingummi, Chips und Erdbeershake! Ein wahres Fest für meine Freundinnen. Ok, dafür müssen sie sich mein Geheule anhören und mir regelmäßig neue Papiertaschentücher reichen, aber ich glaube, das ist nur fair. Nur diesmal wird es anders sein!!
Ich nutze nämlich die Gelegenheit, meinen Liebeskummer mit einer Diät zu verbinden. Man sagt doch immer, dass man durch ein gebrochenes Herz keinen Hunger mehr hat und dann sehr viel abnimmt! Da ich in den letzten Jahren mit Sicherheit 3 bis 4 kg zugenommen habe, ist es nun Zeit, endlich etwas daran zu ändern. Denn vielleicht hat Paul ja auch Schluss gemacht, weil ich ihm zu fett bin, nur hat er sich nicht getraut, es zu sagen. Sicher hat er an die Gefahren gedacht, die Übergewicht während einer Schwangerschaft mit sich bringen kann und wollte mich vor diesem Unheil bewahren. Oh, wie sehr ich diese soziale Ader an Paul doch liebe!!
Eine Stunde später trudeln meine Freundinnen ein. Mit ernsten Minen betreten sie das Wohnzimmer, bleiben jedoch abrupt stehen und starren ungläubig auf den Couchtisch!
„Ich denke, Du hast Liebeskummer!“ bemerkt Antje ganz verdutzt, während Sabine sich bückt, um unter den Tisch zu schauen. Sybille schaut fragend von einer zur anderen
„Habe ich auch! Aber diesmal eben anders!“
„Jetzt ist sie total durchgedreht“ murmelt Sybille, während sie sich durch den Stapel Tee auf meinem Tisch wühlt.
„Was bitteschön ist das?“ fragen alle drei fast gleichzeitig.
„Tee“. Ich zucke mit den Schultern. Als wenn sie noch nie Tee gesehen hätten! Jedes Kind weiß, wie Tee ausschaut!
„Ja, schon, aber Du trinkst doch sonst nie Tee!“ Antje kann anscheinend kaum glauben, was sie da sieht. Auf meinem Tisch stapeln sich ca. 250 verschiedene Teesorten. Alle schön nach ihren Geschmacksrichtungen sortiert. Und farblich natürlich, denn das Auge trinkt schließlich auch mit.
“Ich nehme ab! Und das geht nun mal am besten, wenn man so gut wie nichts isst, dafür aber Unmengen von Tee trinkt! Habe ich neulich noch in einer Frauenzeitschrift gelesen! Möchte jemand ein Tässchen?“ lächle ich die drei Grazien an.
Ungläubig reichen sie mir ihre leeren Tassen und ich schenke frischen Erdbeer-Minz-Tee ein.
„So, und jetzt lenkt mich ab! Das Drehbuch kennt Ihr ja bereits!“ lache ich. Nicht umsonst sind die drei seit mittlerweile Jahrzehnten meine Trösterinnen.
Wie auf Kommando öffnen sie ihre Taschen und holen Kataloge heraus. Klamotten, Schuhe, Schmuck, Elektrogeräte, Haarfärbemittelchen, Augenbrauenfarbe, dekorative Kosmetik…. Alles ist dabei, was eine Frau so zum Wohlfühlen braucht.
Sie schaffen es tatsächlich, meine Tränen zu trocknen. Ich lache mit ihnen, stöbere in den Katalogen, lasse mich schminken und…. Und ich trinke Tee! Heute schon meine vierte Kanne.
Der Nachteil, wenn man viel trinkt, ist sicherlich die Tatsache, dass man dementsprechend oft auf die Toilette muss. Das ist nun mal so und genau das ist ja auch gut für den Fettabbau. Oder? Ich meine, so habe ich das gelesen. Die Fettmoleküle nehmen dann Reißaus, weil sie sich nicht mehr im Körper halten können. Da der Tee heiß ist, schmelzen sie, gelangen so in den Darm und werden dann halt ausgespült. Natürlich versuchen die Moleküle noch, sich an den Hüften und am Bauch zu halten, aber das schaffen sie nicht, weil sie ja flüssig werden.
Ich verstehe nicht, dass andere Frauen wahnsinnige Diäten durchleben, wo doch an sich nur Tee der Schlüssel des Ganzen ist!!
Da ich schon lange genug angehalten habe, renne ich schließlich aufs Klo, schließe die Tür hinter mir und lasse den Tee seinen normalen Werdegang zu Ende gehen. Und das dauert.
Ich sitze also nun so rum, lasse mindestens 4 Liter Tee inkl. Fettmoleküle in die Kanalisation ab und bin plötzlich wie erstarrt. Die Miniaturflasche von Pauls Parfüm steht genau gegenüber auf dem Badewannenrand. Die ganze Zeit habe ich nicht an ihn gedacht und auf einmal ist er präsenter als je zuvor. Ich fange an zu weinen und benutze die halbe Klopapierrolle um meine Nase zu schnäuzen. Ich vermisse ihn. Ich vermisse seinen Humor, sein Lachen, seine Küsse, die Geborgenheit, die er mir gab, wenn er mich abends im Bett in den Armen hielt. Ich vermisse die Filme, die wir zusammen gesehen haben, ich vermisse die Luft, die er neben mir geatmet hat, ich vermisse sein Zähneknirschen und ich vermisse die Träume, die er mit mir geträumt hatte. Ich bin nur noch ein Häufchen Elend, als ich das Badezimmer verlasse.
Sofort kommen Sybille, Antje und Sabine auf mich zugestürmt und betüddeln mich mit ihren Mitbringseln.
„Willst Du nicht doch ein paar Süßigkeiten essen?“ fragt Sybille endlich.
„Nein, danke. Das, was ich brauche, ist Tee! Unmengen von Tee!“ Ich will schlank sein! Für Paul! Für mich! Für unsere Kinder!
Nach einer weiteren Kanne muss ich wieder aufs Klo. Die Mädels haben mich inzwischen wieder schön hergerichtet und ich lache über ihre Witze. Ich habe so richtig Spaß, mit meinen drei Hühnern rumzualbern und habe den Alltag um mich herum ganz vergessen.
Ich öffne die Badezimmertür, setze mich aufs Klo und…. Sehe die Miniaturflasche. Sehe Paul. Sehe sein lichtes Haupthaar. Sehe seine frisch geputzten Schuhe. Sehe seine Füße, die er dick mit Fußcreme eingerieben hat und um die nun Gefrierbeutel kleben. „Das macht die Füße so schön weich“ sagte er, als ich ihn das erste mal in dieser Montur ertappte. Das muss man sich mal vorstellen! Ein Mann, der eine Fußmaske macht!! Und so einen habe ich verloren!! Ich sterbe gerade. Vor lauter Sehnsucht. Mein Herz zerreißt in 1000 Einzelteile.
So geht es den ganzen Abend. Ich trinke Tee, lasse mich von meinen Freundinnen aufmuntern, renne zum Klo und versinke dort in Selbstmitleid. So kam ich zu der Erkenntnis, dass Tee einfach nicht gut für meine Seele ist! Denn hätte ich keinen Tee getrunken, hätte ich nicht so oft Wasserlassen müssen. So hätte ich die Parfümflasche nicht so oft gesehen und vor allem nicht so oft an Paul gedacht. Scheiß auf die Fettmoleküle! Meine Seele ist wichtiger! Obwohl ….
Papperlapapp! Tee ist nicht gut für meine Seele. Basta!
Was Paul wohl gerade macht? Ich stelle mir vor, wie er gerade seelenruhig in seinem Bettchen liegt, mit den Zähnen knirscht und tief und fest schläft und nicht mal an mich denkt. In drei Tagen hat er mich sicherlich sogar schon komplett vergessen. Na ja, und genau diese Gedanken treiben mir dann wieder die Tränen in die Augen. Also schnell nach oben gucken, mit den Wimpern klimpern und die Tränchen wieder wegdrücken. Aber es klappt einfach nicht.
Je mehr ich trinke, desto mehr muss ich Pippimachen und desto mehr denke ich an ihn. Teufelskreislauf. Nur was will ich in erster Linie? Genau! Schlank werden! Oder zumindest nicht mehr so dick sein. Damit Paul zurückkommt und sich keine Gedanken mehr machen muss, ob ich eine Schwangerschaft auch mit Übergewicht überstehe.
Also: Weiter trinken! Und abnehmen! Und ab und zu an Paul denken! Zählen Tränen eigentlich auch zum Flüssigkeitsverlust? Dann müsste ich ja mittlerweile ganz schön was weniger auf der Waage haben.
Mach ich mir etwa zu viele Gedanken? Ja aber hallo?? Was soll ich denn sonst machen? Etwa abwarten und Teetrinken???? Oups… ja, das ist genau das was ich mache. Jetzt weiß ich auch, woher dieses Sprichwort kommt!
Irgendwann schmeiße ich meine Freundinnen raus und gehe ins Bett. Leider kann ich nicht durchschlafen, denn meine Blase treibt mich auch nachts aufs Klo. Während ich meinen Seelenmördertee ausscheide, laufen mir die Tränen die Wangen hinunter. Ich bin am Ende.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden sitze ich auf dem Klo und habe die Parfümflasche in der Hand. Ich schnuppere daran und traue mich dann irgendwann tatsächlich, sie zu öffnen. Paul ist da. Er steht direkt neben mir und ich rieche ihn! Aber er ist nicht wirklich da, es ist nur diese beschissene kleine Flasche, die mir das Leben zur Hölle macht! Ach nein, es ist der Höllentee, der mich in den Wahnsinn treibt!! Ich muss damit aufhören.
Kein Tee mehr, keine übermäßigen Toilettengänge, kein Paul, kein Liebeskummer, kein Leben, keine Isabell Schwärzenbach. Ich bin verloren.
Mit dem Rücken am Fernseher, ohne Tee in der Hand, starre ich weitere 759 Löcher in die Decke. Mein Leben ist sinnlos. Paul ist weg. Meine Liebe ist weg. Ich bin ganz alleine. Ich habe mindestens 25 kg in der letzten Nacht verloren, aber was bringt es, wenn Paul nicht da ist, um mich so zu sehen?
„Piep piep“
Mein Handy. Eine SMS. Ich schaue nach und muss doch tatsächlich wieder weinen. Diesmal aber eher vor Lachen. Es ist eine SMS von Paul:
„Hallo Isa! Ich habe viel über uns nachgedacht. Hast Du vielleicht Lust, Dich heute Nachmittag mit mir auf einen Tee zu treffen? Ich vermisse Dich!“
Na, darauf trink ich doch erst mal ein Tässchen Seelentröstertee!!
Eure Isa…. wie Pisa, nur ohne P
© Andrea Koßmann
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30.9.2007 von Export.
Auszug aus Wikipedia:
„Flatulenz (lat. flatus „Wind, Blähung“, Blähungen) bezeichnet die Aufblähung des Magens bzw. des Darms durch bei der Verdauung gebildete Gase (z.B. Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und andere Gär- bzw.Faulgase), wobei es häufig zum Entweichen von Darmgasen kommt. Sitzen diese Darmgase fest, kann es zu schmerzhaften Bauchkrämpfen kommen.“
Und sterben kann man auch davon! Sage ich, Isabelle Schwärzenbach, flatulenz-erprobte Expertin mit jahrelangen Gas-Ausstoß-Erfahrungen.
Ihr kennt dieses Gefühl sicher auch: Der Darm zieht sich zusammen, grummelt und bellt, blubbert und piekst. Dann heißt es: Schnell aufs Klo, die Winde in die weite Welt hinauslassen und sich selber hassen, weil man tags zuvor die Finger einfach nicht vom Rosenkohl lassen konnte!!
Was aber, wenn kein Klo in der Nähe ist? Oder man z. B. in einer riesigen Menschenmenge steht, die mucksmäuschenstill ist? Zum Beispiel während einer Hochzeitsmesse oder noch schlimmer: Auf einer Beerdigung! Was dann???? Pupsen und hoffen, dass der Pups ganz leise wird und vor allem keinen Duft hinterlässt? Hoffen, dass es niemand merkt? Nach draußen gehen? Ihn anhalten und damit einen angestrengten Gesichtsausdruck hinterlassen?
Gedanken, die mir an jenem Abend mit Flo durch den Kopf gingen! Flo war meine brandaktuelle neue Flamme. Kennen gelernt hatte ich ihn einige Zeit zuvor in meiner Stammkneipe „Tigger“ im Süden der Stadt. Ich stand an der Bar und bestellte einen Cocktail. Als ich bezahlen wollte, sagte der Barkeeper, der nette Herr von nebenan hätte mein Getränk bereits bezahlt. Ich schaute nach links und sah in die wohl schönsten blauen Augen, die mein junges Dasein je erlebt hatte! Wow!
Flo, braungebrannt, blonde Haare, groß und muskulös grinste mich mit seinem Zahnpastalächeln an. Wir verbrachten den ganzen Abend im „Tigger“ und tauschten später Handy-Nummern aus um uns dann für einen Kochabend in meiner Wohnung zu verabreden.
Wir haben lecker gekocht und wir hatten einen echt tollen Abend, haben viel gelacht und so richtig Spaß gehabt.
Irgendwann wollte Flo dann gehen und ich brachte ihn zur Tür. Gerade noch lachte ich lauthals über einen Witz, den er rausgelassen hatte, als ich plötzlich verstummte und die Augen aufriss. Oh Gott! Ein Pups bahnte sich seinen Weg durch meinen Darm zum Ausgang. Kennt Ihr das, wenn man dann lachen muss? Dann kann man den Pups kaum anhalten und irgendwann schießt er einfach raus. Ob man will oder nicht! Aber ICH WILL NICHT!!!! Bitte! Nicht jetzt!! Flo ist das erste mal bei mir zuhause und ich muss pupsen???? Lieber würde ich im Erdboden versinken!!
„Was hast Du auf einmal?“ schaut Flo mich fragend an.
„Och…. Nix. Ich fand den Abend echt schön!“ Geh jetzt bitte Flo! Nimm die Klinke in die Hand, mach die Tür auf, geh raus und beeil Dich!! Ich kann nicht mehr lange anhalten!! Mein Darm explodiert gleich.
Schweißperlen stehen mir auf der Stirn.
„Aber Du bist auf einmal so komisch! Hab ich irgendwas falsches gesagt?“
„Nein Flo! Du bist toll! Echt!“
„Aber Du hast doch was! Du guckst ja richtig böse!“
„Ich ruf Dich an Flo, ok?“
Geeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeh!!!!!!!!!!!! Oh mein Gott, ich schaff es nicht mehr lange. Mein Darm scheint sich in alle Richtungen zu winden, um den Pups in sich behalten zu können. Aber egal wie lange ich ihm telepathiere, dass er sich NICHT entspannen soll, der angekündigte Pups tritt immer näher dem Ausgang entgegen. Bleib drin, bleib bitte drin! Ich passe auch gut auf Dich auf und werde Dich hegen und pflegen! Du bekommst alles, was Du willst, sogar Schokolade, obwohl ich auf Diät bin! Nur komm bitte nicht raus!! Ich halte es nicht mehr aus. Panik kommt in mir auf.
„Du Flo, ich muss aufs Klo. Wir telefonieren morgen ok?“ Ich versuche, ihn zur Tür zu schieben.
„Geh ruhig. Ich warte noch. Ein wenig Zeit habe ich noch!“
ICH ABER NICHT!!!!
Ich kann nicht mehr. Raune Flo nur ein „Ok“ entgegen und stürze aufs Klo. Was mach ich nur? Was mach ich nur? Denk nach Isabelle Schwärzenbach! DENK NACH!
Totenstille. Keiner sagt was. Keiner singt. Keiner singt???? Au Mann, warum ich hab ich die CD vorhin nicht auf „Repeat“ gedrückt? Vor ein paar Minuten noch säuselte uns Tracy Chapman ein paar schöne Melodien ins Ohr, die sicher meinen Pups übertönt hätten, aber nun ist wirklich absolute Funkstille.
Ich erinnere mich, irgendwo mal gelesen zu haben, dass man auch lautlos pupsen kann, wenn man die Pobacken ein wenig auseinanderzieht. Dann hat der Wind sozusagen freie Bahn und die „Hautlappen“, die die Geräusche dann entstehen lassen, können beim Entfleuchen nicht mehr stören. Ich stelle mich in leicht gebückter Haltung hin.
„Ist alles ok bei Dir Isa?“
Öhm… „Ja ja, ich komm klar! Bin sofort wieder da!“
Ich konzentriere mich. Halte weiterhin meine Pobacken auseinander, beiße mir fast auf die Lippen und versuche, einen ganz leisen Pupser hinauszulassen. Flusch….. puh…. Das ging ja noch. Ein weiteres mal versuche ich, die Luft auf so stille Weise entfleuchen zu lassen. Prööööt. Hust hust….
„Hab mich nur verschluuuhuuckt Flo! Komme sofort!“
„Ja ja, lass Dir ruhig Zeit!“
Au Mann, der Kerl hat echt Nerven!
Pröööt, prööööt…. Ich täusche einen weiteren Hustenanfall vor und überlege mir schon eine Klage, gegen denjenigen, der die Sache mit dem lautlosen Pupsen geschrieben hat! Ich werde ihn vor Gericht zerren und ihm dann ne lebenslängliche Massenzelle mit mindestens 50 Mitinhaftierten wünschen, in der er das lautlose Pupsen üben kann!
Ich setze mich auf die Schüssel und konzentriere mich weiter. Ein kleiner Testriecher unter meinen Achselhöhlen zeigt mir, dass ich zumindest noch nicht nach Schweiß rieche, auch wenn mir der Schweiß mittlerweile in Strömen auf dem Gesicht hinunterläuft. Wenn ich jetzt in den Spiegel schauen würde, hätte ich sicher ne bessere Gesichtsfarbe, als in meinem letzten Mallorca-Urlaub.
„Cleo, komm mal her… jaaa, Du bist eine brave Katze“ höre ich Flo im Flur. Er beschäftigt sich mit meiner Miezi. Dafür bekommt sie nachher ein Extra-Leckerli.
Ok… er scheint abgelenkt zu sein. Also kann ich es noch mal versuchen. „Pröt“…. Geht doch. „Pröt Pröt Pröt“… oh je, was ist nun los????? Es kommt definitiv nicht nur Luft!!!!!!! AAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!
Mein Stoffwechsel meint, nun gerade jetzt zu zeigen, was er auf Lager hat und ich kann nichts dagegen tun. Ich habe keine Möglichkeit, es anzuhalten, oder zurückzuhalten oder gar zurückzuschieben. Es muss raus. Jetzt. Sofort. Ohne wenn und aber und vor allem ohne meine Zustimmung!
„Pröt pröt pröt pröt pröt pröt pröööööööööööööööööööööt“. Ich huste mir die Lunge aus dem Leib und habe gleichzeitig einen Lachkrampf. Ich kann nicht mehr und möchte mich am liebsten ins Klo stürzen und direkt abziehen um im Nirvana der Kanalisation zu verschwinden. Ich möchte nie wieder aus diesem Raum hinaus in die weite Welt. Ich wünschte, Flo würde es gar nicht geben und ich wäre ganz allein auf der Welt. Mutterseelenallein. So allein, dass nicht mal eine Fliege mein Pupsen hören könnte!
Mein erstes Date mit Flo, der im Flur Cleo krault und ich sitze auf dem Klo, gerade mal 2 m von ihm entfernt und blamiere mich zu Tode!!
Stille.
„Isa?“
„Ja?“
„Alles ok?“
„Na klaaaaar! Ich bin schon fertig!“
Puh…. Ich säubere mein Hinterteil, benutze dazu fast ne ganze Rolle Klopapier, wasche mir die Hände, öffne die Tür und glaube kaum, was ich da sehe: Flo hockt in gebückter Haltung im Flur auf dem Boden, die Hände schützend über seinen Kopf gebeugt, während er ruft „Los Cleo, renn weg! Sie schießen auf uns und schmeißen Bomben! Cleo, es ist Krieg! RENN WEG!“
Mit hochrotem Kopf komme ich aus dem Lachen nicht mehr raus und merke gerade noch, wie ein übriggebliebener Luftzug meinen Darm mit einem lauten PRÖÖÖÖT verlässt und dann kann ich nicht mehr. Flo nimmt mich in seine Arme und ich fange bitterlich an zu weinen, weil ich mich so sehr schäme. Haben Sie schon mal gelacht und geweint gleichzeitig? Ich weiß gar nicht, was ich zuerst machen soll, aber Flo trocknet meine Tränen sehr schnell und sagt: „Ich mag Frauen, die ein wenig so sind wie Männer!“
Und dann? Pupst er. „Sorry“, lächelt er mich an „das kommt sicher vom Bohnensalat“ und wir können uns beide vor Lachen kaum noch halten.
Ob es ein Kompliment war, dass ich ein wenig so bin wie ein Mann, habe ich an jenem Abend nicht mehr rausfinden können. Auf jeden Fall wusste ich aber, dass es kaum noch etwas geben würde, wofür ich mich bei Flo noch mehr hätte schämen müssen. Das Schlimmste hatte ich immerhin hinter mich gebracht.
Ok, das zweitschlimmste war sicherlich ein paar Wochen später eine ungewollte Magenentleerung nach einer durchzechten Nacht mit viel zu viel Prosecco….. Alles fing mit einem nicht zu unterdrückenden lauten Rülpsen an und endete damit, dass der gesamte Inhalt meines Magens auf Flos Schoß landete, als wir gerade im Taxi auf dem Nachhauseweg waren. Irgendwann hat er mich dann verlassen…. Weil für ihn ein wenig zuviel Mann in mir steckte…. Dabei ist all das doch einfach nur völlig MENSCHLICH und irgendwo auch lebensnotwendig oder?
Alles, was keine Miete zahlt, muss raus. So einfach ist das! Oder seht IHR das etwa anders?
Bis bald,
Eure Isa…. wie Pisa, nur ohne P
© Andrea Koßmann
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2.9.2007 von Export.
Der Nachbar unter mir heißt Tom. Tom ist mein bester Freund. Tom ist schwul. Und das ist auch gut so.
Ich bin der Meinung, dass heutzutage jede Frau einen schwulen Freund haben sollte. Es ist chic, es ist praktisch und vor allem so herzergreifend ehrlich. Denn, wenn Tom sagt, dass meine Augen heute besonders schön leuchten, dann sagt er das nicht, um nach dem Essen beim Lieblings-Italiener mit mir ins Bett zu hüpfen, sondern, weil er eben wirklich findet, dass meine Augen heute besonders schön leuchten.
Und wenn Tom sagt, dass meine Haare heute kacke liegen, dann ist das Grund genug, nochmal schnell unter die Dusche zu hüpfen und danach die Haare neu zu stylen.
Das Leben mit Tom ist aufregend. Letzte Woche war ich beim Friseur. Der Gang dorthin ist für eine Frau so, wie für andere vielleicht ne Gruppen-Therapie-Stunde beim Psychiater. Es wird getratscht, es wird gelacht und es wird gelogen, dass sich die Balken biegen.
„Isaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa-Schätzchen, das ist ja schön, dass Du auch mal wieder vorbeischaust!!“ ruft mir Uschi, meine Stamm-Friseurin zu. Sie sieht schrecklich aus! Uschi ist eine Party-Löwin und anhand ihrer Augenringe kann ich die durchzechten Nächte zählen.
„Uschiiiii, Du schaust bleeendend aus!! Wie machst Du das nur????“
„Ach Schätzchen, ich hab nen neuen Typen kennen gelernt und der ist so was von zuckersüß, das glaubst Du gar nicht!“
Ich schlucke. Uschi ist genauso alt wie ich. Also so etwa Mitte 30. Sie ist völlig unterernährt, hat weder Busen noch Po, neigt zu starker Erwachsenen-Akne und hat schiefe Zähne. Sie trinkt viel zu viel Bier, schläft viel zu wenig und leidet unter ständigem Geldmangel. Ihr Hobby ist Doc-Hopping. Wenn sie nicht mindestens einmal die Woche bei irgendeinem Arzt vorstellig werden kann, ist sie krank.
Sie redet wie ein Wasserfall und merkt nicht mal, dass man gar nicht mehr zuhört. Einmal war ich mit ihr in einer Kneipe und hörte mir gerade ihre letzte Doc-Story über Mikro-Organismen ihrer Darmgegend an, als sich gerade die bei mir bemerkbar machte. Ich versuchte ein paar mal, ihr genau das zu sagen, aber sie merkte nicht, dass ich sie unterbrechen wollte.
Irgendwann stand ich einfach auf, ging aufs Klo, ließ mir verdammt viel Zeit damit, kam wieder und… was soll ich sagen? Uschi saß immer noch da und erzählte. Sie hat nicht mal gemerkt, dass ich zwischendurch weg war!
Und genau diese Uschi offenbart mir gerade, dass sie einen Typen kennen gelernt hat? Ist er blind? Taub? Stumm? Arzt?
„Oh, das freut mich Uschi!“ versuche ich möglichst glaubhaft rüber zu bringen. „Wo hast Du ihn denn kennen gelernt?“
„Er war hier zum Haare schneiden! Männerkurzhaar für 5,70 Euro. Ohne Fönen. Weil ja Sommer ist und die Haare von alleine an der Luft trocknen. Er sieht uuuumwerfend aus Isa. Son ganz chicer Typ mit dunklem Anzug und Krawatte und diesem ganzen Pipapo.“
„Und Du meinst, dass er sich auch für Dich interessiert? Also ich meine, vielleicht ist er verheiratet oder so.“ Ich mach einen auf unschuldig. Sonst könnte Uschi womöglich denken, dass ich ihr den Kerl ausreden will.
„Neeee, das glaub ich nicht. Er trug keinen Ring! Außerdem hat er mir ne Visitenkarte gegeben auf der seine Handy-Nummer steht! Ganz freiwillig! Frau Schuster, hat er gesagt, wenn Sie mal was brauchen, dann rufen Sie mich doch einfach mal an! Ich bin allzeit bereit! Das glaubst Du gar nicht! Wenn ich mal was brauche!! Allzeit bereit!! Das hat er sicher sexuell gemeint! Der Typ ist der Hammer oder?“
Ich begutachte meine Fingernägel und frage ganz beiläufig „Und?? Haste schon angerufen?“
„Neee, man soll einen Mann doch ein wenig zappeln lassen! Er war doch erst gestern Nachmittag hier. Aber ich habe schon die ganze Nacht von ihm geträumt. Hach, diese Haare, diese Hände, dieser Körper. Einfach bezaubernd. Ich glaube, ich bin verliebt. Das glaubst Du gar nicht!“
„Was hat er denn sonst noch so erzählt?“ So schmackhaft wie Uschi mir diesen Kerl macht, widerstehe ich der Versuchung, nach seiner Visitenkarte zu suchen, nur sehr widerwillig.
„Er sagte, dass er kinderlieb sei. Und dass die Jugend von heute viel mehr an ihre Zukunft denken sollte. Auch wegen der Rente und so. Und dass er mir helfen könnte, einige meiner Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Er fragte auch, ob ich selber Kinder hätte und als ich verneinte, sagte er, er könne mir sogar bei der Planung behilflich sein und dabei hat er mich ganz irre angeschaut mit seinen strahlendblauen Augen. Ich glaube, er wär am liebsten direkt über mich hergefallen.
Alles hab ich nicht verstanden von dem, was er erzählte, denn ich war wie hypnotisiert, wenn ich ihn anschaute. Erwähnte ich bereits, dass ich verliebt bin? Vielleicht ist er ein Gigolo. Aber das würde ich nicht schlimm finden. Dann kann er mir vielleicht noch ein paar tolle Dinge beibringen. Weißt Du, er ist so der Typ Mann, von dem man sich wünscht: Nimm mich, benutz mich und wirf mich dann weg! Das glaubst Du einfach nicht!“
Uschi schaut an die Ladendecke, während sie von ihrem Traummann erzählt. Ich blicke auch nach oben, kann aber nicht erkennen, dass sich dort der Text befindet, den sie gerade abspult.
Ob diese Frau wohl auch nachts redet? Vorstellen kann ich mir nämlich nicht, dass Uschi abends an ihrer Schlafzimmertür ihre Zunge abgibt und schweigt. Ich sehe sie förmlich vor mir, wie sie unter einem knackigen Astralkörper liegt. „…. Und dann war ich heute noch beim Arzt. Ich hab doch manchmal so leichte Schmerzen in den Fingern. Das ist sicher Rheuma und ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Und sag mal, wie findest Du eigentlich meinen neuen Nagellack? Schau mal, mit Glitzer!“ Ich mein, HALLO???? Welcher Typ fährt auf so was ab??
„Mensch, das ist ja toll. Und ich freu mich sehr für Dich! Vielleicht hast Du ja Glück und er ist endlich mal Mr. Right!“ Aua, ich hab mir gerade eben selber auf die Zunge gebissen.
Nein, ich klinge nicht eifersüchtig! Bestimmt nicht! Lachen Isa, LACHEN!
Warum haben solche Frauen es so verdammt leicht, mal eben einen tollen Typen kennen zu lernen? Warum passiert mir so etwas nie? Was mach ich falsch? Ich putze mir zwei mal am Tag die Zähne, dusche jeden Tag, habe einen Bausparvertrag, bohre nicht in der Öffentlichkeit in der Nase, bin eine sehr erfolgreiche Videotheken-Aushilfs-Kraft mit gewaltigen Aufstiegschancen, lüge nur in Notfällen, wenn es gar nicht mehr anders geht und lasse mir unheimlich gerne den Rücken kraulen. Aber Visitenkarten von fremden, supertollen Männern? Die bekomm ICH nie!
„Strähnchen und schneiden wie immer Isa-Schätzchen?“ Ich bin versucht, Uschi zu zeigen, was passiert, wenn das Schätzchen zur Furie wird, aber ich möchte im Laden nicht auffallen. Sonst könnten die anderen noch denken, ich sei tatsächlich eifersüchtig. Und wenn es einen großen Fehler gibt, den Frauen machen können, dann ist es, eifersüchtig oder neidisch auf andere Frauen zu wirken. Denn damit zeigen sie Schwäche! Und welche Frau möchte das schon?
Also Pokerface aufsetzen, lächeln, nicken und einfach die Klappe halten. Und zwischendurch immer mal wieder unauffällig den Blick schweifen lassen, ob die ominöse Visitenkarte nicht doch irgendwo zu entdecken ist. Also nicht, dass Sie denken, ich würde den Typen dann anrufen oder so! Dazu wäre ich viel zu schüchtern…. Aber ne SMS… ich könnte ihm tatsächlich eine schreiben! Irgendwas mit „Hab sie gestern beim Friseur gesehen und fand Sie toll! Möchten Sie mit mir einen Kaffee trinken gehen“ oder so was in der Art.
Er würde sich natürlich darauf einlassen und zum Date direkt zwei Flugtickets für Hawaii mitbringen. Mit schmachtendem Blick würde er mir in die Augen schauen und säuseln „Herzchen, wir machen uns zwei wunderschöne Wochen auf Hawaii und auf dem Rückflug heiraten wir hoch oben über den Wolken! Ich habe alles schon vorbereitet! Du musst einfach nur JA sagen.“
Natürlich bekomme ich kein einziges Wort mehr raus, denn bevor ich etwas sagen kann, hat er mir den Diamantring an den Finger steckt, so dass ich nur noch „Oh“ raus bekomme. Wir heiraten dann tatsächlich und 9 Monate später kommen unsere Zwillinge Joanna und Kim auf die Welt.
„So Isa, Du bist fertig! Du schaust toll aus!“ unterbricht mich Uschi aus meinen Tagträumen.
Ein Blick in den Spiegel zeigt mir, dass sie verdammt Recht hat! Ich muss diese bescheuerte Visitenkarte finden, die der Typ ihr zugesteckt hat. Er hat doch wohl was besseres verdient, als Uschi!
„Hat er eigentlich D1 oder D2?“ frage ich, während ich mit meinen Fingern versuche, ein imaginäres Haar aus meinem Mund zu fummeln. Ich bin erstaunt über mich selber, dass ich es geschafft habe, auf eine so brillante Idee zu kommen. Und vor allem, dass ich diese Frage sowas von cool und lässig rübergebracht habe, als hätte ich nach der Uhrzeit gefragt.
Uschi zuckt mit den Schultern. „Du, keine Ahnung. Aber das ist doch letztendlich auch völlig wurscht!“
„Ist es nicht“ entgegne ich flott… ich darf den Faden nicht verlieren, ich muss dran bleiben. „Stell Dir mal vor, er hat D1 und Du hast D2. Du weißt doch selber, wie das bei frisch verliebten Pärchen ist! Ständig wird gesimst, ständig wird telefoniert. Du kennst doch diese Verliebten-Telefonate, bei denen der eine immer sagt „Leg auf“, damit der andere kontern kann „Nein, leg DU auf“. Und wenn man dann nicht das gleiche Handy-Netz besitzt, dann geht die Rechnung schon mal in Millionenhöhe.
„Meinst Du?“ Uschi guckt mich naivblöd mit ihren braunen Rehaugen an.
„Na klar!“
Sie dreht sich um und geht ins Hinterzimmer. Ja, sie holt die Karte! Gleich hab ich sie und kann mir ganz schnell die Handy-Nummer merken.
„Hier, wir haben ne neue Spülung reinbekommen. Die Probe schenk ich Dir.“ plaudert Uschi und überreicht mir ein Mini-Fläschchen. Mist. Ich muss die Spur zur Visitenkarte wieder aufnehmen.
„Bist Du eigentlich immer noch so schlecht bei Kasse?“
„Joa… schon. Warum fragst Du?“
„Na, wegen des Handy-Netzes Uschi! Denk doch mal nach! Du weißt doch sicher, dass der Provider die Karte sofort sperrt, wenn Du die Rechnung nicht bezahlen kannst oder? Und stell Dir mal vor, der Typ fragt Dich dann gerade nach einem Date und Du kannst den Termin nicht zusagen, weil Deine Karte gesperrt ist.“
Entsetzen in Uschis Gesicht. Große Augen. Es klappt! Ich bin so nah dran.
„Du hast Recht, das wär´ blöd. Vielleicht sollte ich doch mal schauen….“
Sie geht zur Kasse und zieht eine Schublade aus der Theke. Als wenn sie Angst hätte, die Karte würde sich in Luft auflösen, nimmt sie sie zaghaft in die Hand.
„D2. Wie ich.“ strahlt sie glücklich und steckt die Karte wieder zurück.
„Lass mal sehen, vielleicht hast Du nicht richtig geschaut!“
„Meinst Du, ich bin blöd oder was?“
Ganz ruhig Isa. Entspann Dich. Einatmen. Ausatmen.
„Ach was, nur mir passiert es auch manchmal, dass ich was lese, was da gar nicht steht, nur weil ich mir wünsche, dass es da steht.“
Sie zieht die Karte wieder aus der Schublade. Ich beuge mich über die Theke, kann aber leider nichts erkennen.
„Doch, is D2.“
Sie will die Karte schon wieder in die Schublade stecken, als ich sie unterbreche.
„Ist die Nummer 6 oder 7-stellig? Das hat nämlich auch noch was mit den Kosten zu tun! Je länger die Nummer, desto höher die Kosten.“ Mann, bin ich gut! Und wie gut, dass Uschi nicht gerade die Hellste ist.
Sie blickt auf die Karte und fängt an zu zählen. Ich beuge mich weiter über die Theke…. Dabei quetsche ich mir meine linke Tittelatur ein, aber das ist egal. Frau muss auch Opfer bringen können.
„7-stellig“ murmelt Uschi. „Ich glaub, das kann ich mir dann diesen Monat gar nicht mehr leisten“.
Jetzt fragt sie bestimmt gleich, ob sie mein Handy haben könnte, um dem Typen ne SMS zu schicken.
„Würdest Du mir vielleicht mal kurz Dein Handy leihen, damit ich ihm ne SMS schreiben kann?“
Ja, ich bin am Ziel!! Ich reiche ihr mein Handy und sie tippt eine Nachricht ein.
In Gedanken suche ich mir gerade ein langes, weißes Hochzeitskleid aus. So eins, was oben ganz eng anliegt und unten dann weit auseinander geht. Mit Millionen von aufgenähten Swarovski-Kristallen, die in der Sonne glitzern wie Diamanten. Und einem Schleier, der länger ist, als der Kölner Dom hoch ist.
Noch ein Stückchen weiter nach vorne und schon habe ich freien Blick auf die Karte. Und glaube meinen Augen kaum. Das, was ich da lese, haut mich vom Hocker.
„Tom Meyerink. Versicherungen aller Art. Allzeit bereit.“
Tom.
Mein Nachbar.
Schwul.
Chic.
Ehrlich.
Und seit gerade Besitzer einer SMS, die von meinem Handy aus geschickt wurde, mit dem Inhalt: „Hi Tom, Lust auf Schweinereien?“
Bis bald,
Eure Isa…. wie Pisa, nur ohne P
© Andrea Koßmann
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31.8.2007 von Export.
Naaaa? Vermißt Ihr sie schon? Die lustigen Geschichten von Isa Schwärzenbach? Dann werd ich Euch mal ein wenig den Mund wässrig machen. Denn sie kommt bald wieder!! Und sie hat ne Menge zu erzählen! Sie hat ihre nächste Geschichte sogar schon fertig geschrieben, möchte Euch aber noch ein wenig zappeln lassen.
Denn sie hat soooooviele Mails bekommen, mit Bekundungen, dass ihre Storys einfach “zum schießen” sind, dass sie Euch nun eben noch ein wenig auf die Folter spannen möchte.
Ich werde aber versuchen, sie dazu zu bringen, dass sie spätestens am Wochenende wieder hier auf der Bildfläche erscheint. Also: Immer schön fleißig jeden Tag hier reinschauen! Ihr wollt doch schließlich nix verpassen oder? ![]()
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18.8.2007 von Export.
Habt Ihr Angst vor Spinnen? Nein? Dann könnt Ihr Euch glücklich schätzen, denn ICH habe absolut Panik vor diesen ekeligen Tieren.
Aus aktuellem Anlass möchte ich Euch nun mal von ein paar Erlebnissen mit Tieren dieser Art berichten.
Wenn ich irgendwo in meiner Wohnung eine Spinne sehe, dann erstarre ich erstmal zur Salzsäure. Und dann kommen mir folgende Gedanken in den Kopf: Ich schätze die Größe des Tieres ab …. im optimalen Fall ist die Spinne nicht sooo riesig und könnte in den Staubsauger passen. Dann wird der Staubsauger rausgeholt, die Spinne weggesaugt, die ganze Bude gesaugt, der Beutel rausgenommen und direkt in die (natürlich draußen stehende) Mülltonne befördert.
Selbst wenn der Beutel eigentlich noch gar nicht voll ist. Denn es könnte sich ja um eine schwangere Spinne handeln und man mag sich gar nicht vorstellen, was in dem Beutel abgeht, wenn sie entbindet! Milliarden kleiner Spinnen würden sich dann in meinem Staubsauger befinden, sich tummeln, dort spielen und ab und zu käme eine rausgekrochen um mich zu erschrecken! Neeee! Das geht mal GAR NICHT! Also… muss der Beutel weg
DAS wäre der Optimal-Fall! ABER! Was ist, wenn die Spinne zu groß ist? Passiert ist mir das neulich morgens um 06:15 Uhr nach einem Disco-Besuch. Ich war hundemüde und gerade dabei, mir mein T-Shirt über dem Kopf auszuziehen, als ich an der Schlafzimmerwand direkt über dem Bett ne Spinne entdeckte, die definitiv nicht in den Staubsauger gepasst hätte! Sie war bestimmt 46 cm groß. So vom Umfang her. Ok… vielleicht auch ein wenig kleiner. Aber auf jeden Fall riesig!
Isabell Schwärzenbach erstarrt zur Salzsäure. Denk nach Isa, denk nach. Ich starre die Spinne an. Bloß nicht wegschauen, denn sie könnte auf einmal unters Bett krabbeln und nichts ist schlimmer, als eine Spinne, die man entdeckt und die sich dann versteckt. Ich hätte sicher nicht mehr in dieser Wohnung übernachtet. Ich wäre direkt ausgezogen und hätte mein ganzes Hab und Gut einfach da gelassen. Der Nachmieter hätte die Wohnung komplett übernehmen können. MIT Spinne versteht sich!
Ein Blick auf die Uhr. 06:15 Uhr. Gibt es einen Menschen in meinem Umfeld, den ich um diese Uhrzeit anrufen könnte “Kannst Du bitte mal ne Spinne bei mir wegmachen?” ohne, dass dieser Mensch denken würde, ich hätte n Knall? Nein… gibt es nicht.
Also weiter denken…. ich muss dieses Vieh wegmachen. Egal wie. Ich ziehe mein T-Shirt wieder an. Und krame aus dem Schrank einen dicken Winterpulli raus. Mal angenommen, ich würde die Spinne mit der Hand (die natürlich nicht nackt sein würde!!) zu fassen bekommen und sie würde mir dann doch wieder entfleuchen und es sich in dem Arm des T-Shirts gemütlich machen, um von da aus auf meinen Rücken zu wandern…. aaaah… ich darf gar nicht dran denken!
Also…. Winterpulli an…. Handschuhe rauskramen….. anziehen. Ich stehe wieder vor der Spinne. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass eine Gänsehaut noch aus der Steinzeit stammt. Da haben die Menschen sie gehabt, um sich vor Feinden größer zu machen. Deshalb stellen sich dann auch die kleinen Härchen auf. Für die Spinne muss ich in diesem Moment nicht nur ein riesiger Mensch sein, sondern Goliath. Von oben bis unten komplett behaart.
Denk nach Isa…. Schnell ab in die Küche. Die Küchenpapier-Rolle muss her. Und schnell wieder zurück ins Schlafzimmer. Puh… die Spinne hat sich nicht bewegt. Ich stehe vor ihr…. die halbe Rolle Papier inzwischen um meine Hand gewickelt. Sei ganz tapfer Isa. Es ist nur eine Spinne. Sie wird Dich nicht auffressen. Spinnen sind harmlos. Nur die ganz großen, die Vogelspinnen, die können gefährlich werden… aber diese hier doch nicht.
Obwohl - es könnte eine Mini-Vogelspinne sein. Ein Töchterchen, welches aus dem heimischen Nest ausgebüchst ist und das von seiner Mama sehnsüchtig gesucht wird. Und sie findet den Weg nicht zurück, muss also in Isas Wohnung bleiben und sich dort von Mücken ernähren um zu wachsen und zu wachsen und zu wachsen…. und eines Tages wird sie riesig sein. Riesiger als Isa mit Gänsehaut und abstehenden Haaren!
Denk nach Isa, denk nach!! Wohin mit dem Vieh, wenn ich es vielleicht in meiner Papier-Handschuh-Hand zerquetscht habe? Ins Klo? Klo!! Nix wie hin und schon mal den Klodeckel aufmachen. Gut vorbereitet sein ist schon die halbe Miete.
Meine Katze Cleo guckt mich derweil fragend an. Ich kann in ihrem Blick erkennen, dass sie gerne mit der Spinne spielen würde. Aber wie bekomme ich die Katze an die Wand? Neeee, Cleo, heute nicht. Vielleicht ein anderes mal!
Und wieder stehe ich vor der Spinne. Gut, dass mich niemand sehen kann. Mitten im Sommer stehe ich dort, als wäre ich kurz davor nach draußen zu gehen, um einen Schneemann zu bauen. Ich starre die Spinne an. Ich hypnotisiere sie förmlich. Meine Nackenhaare stellen sich auf bis sie fast an meine Zimmerdecke reichen. Meine Gänsehaut gedeiht prächtig.
Ich halte die Luft an und gehe ein Stückchen näher. Den Arm halte ich ganz weit ausgestreckt von mir weg. Ich wünsche mir gerade, ich hätte 3-m-lange Arme. Ich blicke mich nochmal um zum Klo. Ok, der Weg ist frei. Alles ist bereit. Fehlt nur noch die Spinne in meiner Hand.
Ich schlucke, obwohl ich gar keine Spucke mehr im Mund habe. Ich hole tief Luft. JETZT! Komm Isa, sei kein Feigling! Schnapp sie Dir und ab damit in die Kanalisation. MACH. SIE. WEG.
Ich bin kurz davor es zu tun. Haben Spinnen Augen? Keine Ahnung…. aber ich habe das Gefühl, sie guckt mich traurig an. Sie weiß, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hat. Vielleicht will sie noch was sagen? Dass sie ihre Mama vermisst vielleicht? Einen kurzen Moment bekomme ich Mitleid. Aber das verwerfe ich schnell wieder, denn hat denn bittschön mal jemand Mitleid mit MIR? Ich will ins Bett, ich will schlafen, und ich will mich nicht mehr vor Spinnen ekeln!
3, 2, 1….. die Spinne ist meins! Ich quetsche das Küchen-Papier an die Wand. Drücke so fest ich kann. Ich spüre nichts, aber ich habe das Gefühl, ich kann die Beine der Spinne knacken hören. Iiiiiiiiih….. ich schaue weg…. halte den Arm weiterhin weit von mir gestreckt und renne wie verrückt zum Klo.
Ab damit in die Toilette…. und spülen… und nochmal spülen…. und nochmal und nochmal und nochmal. Ich warte ab. Schaue in die Kloschüssel. Nichts. Kein Papier, keine Spinne, nichts. Zur Vorsicht ziehe ich die Klospülung nochmal. Und weils so schön ist mach ich das weitere fünf mal. Die Leute im Haus müssen denken, ich hätte ne Dauersitzung und die Wassergesellschaft wird sich freuen. Aber das ist mir egal.
Denn! Ich bin der Isa-Nator! Ich bin die Heldin meines eigenen Lebens! Ich bin einfach toll!
Ich ziehe mich aus, lege mich ins Bett und denke an die Tierschützer in der Welt da draußen. Vielleicht sollten die ne Notfallnummer veröffentlichen. Dann hätte ich die Spinne nicht getötet, sondern die Nummer angerufen und dann wären sie schön um 06:15 Uhr zu mir gekommen und hätten Esmeralda, wie ich Spinnen manchmal taufe, die jahrelang draußen an meinem Küchenfenster leben, mitgenommen und zurück zu ihrer Mama gebracht!
A propos Mama! Meiner eigenen Mom habe ich gestern schon einen Strauß Blumen geschenkt! Meine Gartenmöbel müssen nämlich in den Keller und da sie von unten sicher voll mit ekeligen, kleinen Spinnen sind, muss Mama sie heute vorher entviechern. Das macht sie jedes Mal so, weil SIE nämlich keine Angst vor Spinnen hat. Und ich bin ihr superdankbar dafür!
Eure Isa…. wie Pisa, nur ohne P
© Andrea Koßmann, 18.08.2007
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13.8.2007 von Export.
Eine Mischung aus erlebtem, gefühltem und natürlich vieeeel fiktivem
Wenn Frank anruft!
Samstag, irgendwann im August
6:00 Uhr: Ich wache auf. Die Sonne ist schon aufgegangen und hinterläßt ein paar Strahlen, die sich an der Wand in kleinen Rillen zu erkennen geben, denn die Jalousien sind nicht ganz runtergelassen. Ich wollte nicht unnötig lange schlafen, denn heute will FRANK anrufen!! Und wenn die Sonne in mein Schlafzimmer scheint, werde ich sehr früh wach. Und das ohne Wecker! So also auch heute.
Ich springe aus dem Bett und hüpfe galant unter die Dusche. Ich möchte alles erledigt haben, wenn der lang ersehnte Anruf kommt. Ich weiß ja nicht, ob Frank ein Frühaufsteher ist oder ein Langschläfer. Aber ich möchte gewappnet sein.
06:10 Uhr: Ich setze mich ins Auto und fahre zu unserem Mini-Markt, bei dem es schon ab 6 Uhr frische Brötchen gibt. Dann schnell wieder nach hause.
06:30 Uhr: Habe inzwischen gefrühstückt und sitze nun auf der Couch. Ich habe das Radio angeschaltet (RTL-Radio) und schaue mir meine Gardinen an. Der Telefonhörer liegt neben mir.
07:00 Uhr: Die Gardinen könnte ich eigentlich mal wieder waschen! Wenn ich sie aber jetzt abnehme, dann muss ich in den Keller! Und was ist, wenn Frank genau DANN anruft? Ok…. ich könnte den Hörer mit nach unten nehmen. Aber wenn es dann klingelt, wenn ich im Keller bin und ich dann sozusagen “mit ihm” wieder nach oben gehe, könnte ich außer Atem kommen und ich mag es nicht, wenn jemand ins Telefon stöhnt und hechelt. Also verwerfe ich den Gedanken ans Gardinen waschen wieder.
08:00 Uhr: Inzwischen habe ich den Fernseher angeschaltet und zappe mich durchs Programm. Vom Nichtstun wird mir kalt und so decke ich mich mit meiner Kuscheldecke zu. Das bekommt Cleo, meine Katze mit, und es dauert nicht lange, da springt sie auf meinen Bauch und macht es sich dort gemütlich.
09:30 Uhr: Nachdem ich ca. 3945442743924 mal mit der Fernbedienung gezappt habe, ist die Batterie leer. Ich suche und suche und suche nach einer neuen. Aber…. ich finde keine…. ich könnte mich schnell ins Auto setzen und eine kaufen… und was ist, wenn Frank dann anruft???? Dann bin ich nicht da! Nein! Das kann ich nicht bringen.
10:00 Uhr: Ich bin mit dem Telefonhörer nach nebenan zu meinem Nachbarn gegangen und habe dort eine Batterie geschnorrt. Gleichzeitig gab er mir das Paket Zucker wieder, welches ich ihm vor einem Jahr geliehen habe. Es ist schön, so tolle Nachbarn zu haben.
11:30 Uhr: Frank hat immer noch nicht angerufen. Ob mein Telefon kaputt ist? Ich überlege. Es war schon mal kaputt. Damals. Als ein Freund von mir neue Fußleisten ans Laminat gemacht hat und so die komplette Telefonleitung 12 mal durchbohrt hat. Er konnte schließlich nicht wissen, dass das Telefonkabel direkt darunter verlief. Mein Dad wußte es aber! Nachdem ich ihn (über Handy) angerufen hatte um zu fragen, warum mein Telefon wohl nicht mehr ging, nachdem mein Bekannter gebohrt hatte, sagte er unschuldig “Da verläuft doch das Telefonkabel!!! Ähm… hatte ich das nicht gesagt?” “NEIN PAPA, das hattest Du NICHT gesagt!!!”
Ok, das Kabel ist inzwischen aber repariert worden…. ich nehme mein Handy und wähle meine eigene Festnetznummer. Vielleicht hat die Telefongesellschaft ja ne Störung. Diddddeldiddelding…. diddddeldidddelding… es klingelt. Also funktionieren tut es schon mal.
12:30 Uhr: So langsam bekomme ich Hunger und schäle mir einen Apfel. Ich steh in der Küche, als ein großer LKW am Haus entlang fährt. Das Fenster ist auf und ich höre den ohrenbetäubenden Lärm. Oh je!!! Hör ich das Telefon überhaupt noch???? Wenn Frank jetzt anruft! Ich stürze in Nullkommanix ins Wohnzimmer, grabsche nach dem Hörer und nehme ihn mit in die Küche.
14:00 Uhr: Ich sitze wieder auf der Couch. Draußen scheint die Sonne. Mit Sicherheit hat die Temperatur bereits 30 Grad erreicht. Ich möchte aber nicht auf den Balkon gehen. Denn es könnte sein, dass wieder ein großes, lautes Auto draußen vorbeifährt und ich dann das Telefonklingeln nicht höre. Ich rufe noch einmal meine eigene Nummer vom Handy aus an. Es klingelt.
15:00 Uhr: Ich höre, wie Kinder draußen vorm Haus spielen…. und ich mache alle Fenster zu. Das Gekreische könnte das Telefonklingeln übertönen. Und die Fahrten mit den Bobbycars sind auch nicht gerade die leisesten.
16:00 Uhr: Frank hat immer noch nicht angerufen. Ok, vielleicht ist er beschäftigt. Sicher putzt er sein Auto. Würde ich sonst bei diesem tollen Wetter ja auch machen.
17:55 Uhr: Ich vernehme einen Klingelton! WAS IST DAS???? Jaaaa, mein Telefon klingelt!!!!! Wie gut, dass ich es direkt in meiner rechten Hand halte! Ich brauche nur auf den kleinen blauen Knopf drücken und nehme das Gespräch an. Ich räuspere mich kurz, setze mich gerade hin…
“Schwärzenbach?”
“Huhuuuu Isa, Sylvie hier! Ich wollte fragen, ob ich nachher mal vorbeikommen soll!”
“Ähm… heute ist schlecht… ich hab noch was vor!”
“Ach ja. Was denn?”
“Ich… ähm… muss Gardinen waschen!”
“Jetzt noch???? Es ist doch schon fast abends!”
“Na und? Die Gardinen sind halt auch abends mal schmutzig”
“Mh… schade….”
Mir fällt ein, dass Frank genau in dem Moment anrufen könnte, in dem ich mit Sylvie telefoniere!!!! Und dann wäre BESETZT!!!! Oh Gott!!
“Du Sylvie, ich muss ganz schnell auflegen! Ich hab Durchfall!”
Klack - aufgelegt.
Ich werde ihr später ne SMS schicken und schreiben, dass ich noch ne Stunde auf dem Klo saß. Und dann doch nicht mehr zum Gardinenwaschen gekommen bin. Dann war wenigstens nur die Hälfte gelogen.
20:00 Uhr: Ich öffne vorsichtig die Balkontür. Die Straße ist ruhig. Aber was rieche ich da? Einen Grill? Gebratenes Fleisch? Ich höre Leute lachen und schaue vorsichtig über die Balkonbrüstung.
Genau in dem Moment schaut mein Nachbar Tom hoch.
“Hey Isa, hast Du Lust runterzukommen? Wir grillen!”
“Ähm… Du… is ganz schlecht heute”
“Ach komm, hab Dich nicht so! Wir haben nette Leute zu Besuch. Könnte ein sehr lustiger Abend werden!”
“Nee Du… ich hab….” ich überlege… was sag ich? Was sag ich?
Ich flüstere “Du, ich hab Durchfall! Is echt schlecht heute!”
“DURCHFALL????? Oh je Du arme!”
Erst jetzt entdecke ich die anderen Menschenköpfe, die sich unten im Garten tummeln. Alle starren mich an. Ich stehe auf dem Balkon, grinse, bin knallrot im Gesicht und sage höflich “Ähm… guten Abend! Ich werd dann mal….”
Ich schließe die Balkontür, mache die Jalousien runter und setze mich wieder auf die Couch. Den Telefonhörer halte ich immer noch in der Hand, aber ich wechsel die Position, indem ich ihn aus der rechten Hand in die linke gebe.
Gelangweilt schaue in mich in meiner Wohnung um. Auf Fernsehen habe ich keine Lust. Auf Musikhören auch nicht. Also werde ich wohl lesen. Das lenkt ab und läßt die Zeit vergehen. Was Frank wohl gerade macht? Ob er an mich denkt? Was wird wohl dazwischengekommen sein? Hoffentlich ist ihm nichts passiert.
22:00 Uhr: Irgendwie müde und schlaftrunken wandere ich vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer…. ich zähle Schafe… 1, 2, 3…. und dann falle ich in tiefen Schlaf.
Sonntag, immer noch irgendwann im August
09:00 Uhr: Ich schrecke aus dem Schlaf hoch. Weil ich ein Piepen höre. Es kommt aus meiner linken Hand. AUS MEINER LINKEN HAND??? Wie geht das denn? Ich schaue nach und sehe direkt den Telefonhörer. Das Akku-Symbol blinkt. Der Akku ist leer. Na toll. Und wie lange schon? Was, wenn er schon die ganze Nacht leer war, ich das Piepen aber nicht gehört hatte, weil ich so tief und fest geschlafen hatte? Vielleicht hat Frank in der Zwischenzeit angerufen. Vielleicht mitten in der Nacht. Weil er eine solche Sehnsucht nach mir hatte. Oh. Mein. Gott. Ich habs vermasselt!!
10:00 Uhr: Es klingelt an meiner Wohnungstür. Ich drücke auf und vor mir steht Sylvie. Ihr Mann Fred und die beiden Kiddies hinter ihr. Alle braun gebrannt.
“Isa, gehts Dir immer noch schlecht? Du schaust so blass aus! Wir waren den ganzen Tag im Garten gestern und sind alle schön braun geworden! Ist alles ok bei Dir?”
“Joa, ich denke schon Sylvie. Mein Problem ist nur: Ich bin Single. Da is man schon mal blass……”
Was ich nicht sage ist, was ich denke: “Wenn man auf einen wichtigen Anruf wartet, sollte man alles dafür tun, diesen nicht zu verpassen. Man wird sonst nie erfahren, was passiert wäre, wenn der Anruf rechtzeitig gekommen wäre!
Montag, und immer noch August
10:00 Uhr: Ich sitze an meinem PC und checke meine Mails. Aaaaah, da ist ja eine von Frank!!!!
“Liebe Isa, ich habe am Samstag festgestellt, dass ich Deine Nummer nicht im Telefon gespeichert hatte. Könntest Du sie mir bitte nochmal geben?
Ich hoffe, Du hast jetzt nicht meinetwegen den ganzen Samstag neben dem Telefon gehockt……….”
“Lieber Frank, nein nein um Gottes Willen! Ich war eh beschäftigt! Habe alle Gardinen gewaschen. Dann war ich draußen! Den ganzen Tag! Ich habe die Sonne genossen, mit den Kindern auf der Straße gespielt und abends war ich noch zum Grillen und habe mit supernetten Leuten die halbe Nacht draußen gesessen! Da hätte ich das Telefonklingeln sicher eh nicht gehört!”
Bis bald,
Eure Isa…. wie Pisa, nur ohne P
© Andrea Koßmann, irgendwann im August
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Isabell (genannt Isa) Schwärzenbach wird Euch demnächst noch öfter mit ihren Stories “beglücken”. Sie ist Mitte 30 und nicht Ende 30. Da legt sie Wert drauf!! Außerdem ist sie Single, ein wenig durchgeknallt, manchmal naiv aber dennoch nicht gerade auf den Kopf gefallen, und sie würde alles dafür tun, DEN Mann für´s Leben endlich kennenzulernen. Ansonsten ist sie aber ganz ok, erlebt viele Dinge, die einfach erwähnenswert sind und ich finde sie zudem äußerst interessant!
Deshalb habe ich sie als Kolumnen-Schreiberin engagiert! Ab und zu wird sie Euch Geschichten aus ihrem Leben berichten. Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind natürlich beabsichtigt und werden Eure Phantasie ankurbeln. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und noch lange ist nicht alles real, was so scheint
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